Vorschau
figurationen 01/2026: Flüsse/Rivers
Gasteditorinnen: Isabel von Holt, Catarina von Wedemeyer
Der Rückgang von planetarem Süßwasser um 40% in den nächsten zehn Jahren betrifft die Mehrheit der Weltbevölkerung. Die Beschäftigung mit Flüssen kann als eine notwendige Reaktion – wenn auch nicht als Antwort – auf diese essentielle Herausforderung der Gegenwart verstanden werden. Als ,natürliche‘ Grenzen, als Limes, wurden Flüsse oft mythologisch und metaphorisch überhöht und (kolonial-)politisch missbraucht. Das Heft versteht Flüsse literal und figurativ als Entitäten für grenzüberschreitende Aushandlungsprozesse. Diese beziehen zum einen die materiale Qualität des Wassers ein, und zum anderen die Bedeutung von Flüssen, für die menschliche, mehr-als-menschliche und planetare Gesundheit, aber auch ihre poetischen Dimensionen, die die multiple Bedeutung wiederum reflektieren und modellieren. Fluviale Systeme fordern fluide Poetiken, die disziplinäre Grenzen überfluten. In diesem Überquellen liegt das subversive Potential einer interdisziplinären Erforschung von Flüssen. Liquidität und Fluidität sind Denkfiguren, die über dominante Epistemologien und Ästhetiken hinausführen. Sie fordern nicht zuletzt die Dichotomie von Natur vs. Kultur heraus, um neue bzw. alternative Bedeutungen im Angesicht der ökologischen Krise in den Vordergrund zu rücken. In Konfluenz entwickeln die Beiträge von Jacq Azarmi Eskandani, Roseane Cadete Wapichana, Francesca Ceola, Muri Darida, Ana Marina Gamba, Şermin Güven, Jamille Pinheiro Dias, Alessandra Praun und Katrin Singer ein kontra-anthropozentrisches Denken, das sich in eine sorgebasierte Beziehung mit Flüssen übersetzt.
Isabel von Holt ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Liberal Arts & Sciences der Universität Hamburg. Catarina von Wedemeyer ist Maître d’Enseignement et de Recherche für Lateinamerikanistik an der Universität Genf.
figurationen 02/2026: Szenen der Fürsprache
Gastedition: Ulrich van Loyen, Cornelia Wild
